Mai 2009 - ver.di Bayern stellte eine Strafanzeige gegen die Geschäftsführer von Flyeralarm. Flyeralarm, 2002 gegründet, gehört zu den grössten Anbietern von standardisierten Drucksachen in Deutschland. Bei den rund 600 Mitrarbeitern hängt jedoch der Seegen im Haus "Flyeralarm" schief. Die Anwaltschaft ermittelt ...
Laut ver.di Bayern soll die Onlinedruckerei Flyeralarm eine Betriebsratswahl verhindert haben. Im Oktober 2008 hielt ver.di auf Wunsch von Beschäftigten der Onlinedruckerei eine Informationsveranstaltung zum Thema "Betriebsratwahlen" ab. Es wurde darüber aufgeklärt, was der Sinn eines Betriebsrates sei und wie die Betriebsratswahlen ablaufen. Der Unmut bei der Geschäftsführung war nicht klein, wird erzählt. Einige Beschäftigte erhielten fristlose Kündigungen.
Was ist da nun passiert? Die Onlinedruckerei Flyeralarm agiert recht preiswert am Markt. Möglicherweise aber auf Kosten der rund 600 Beschäftigten. Geben vermutlich Mitbewerber von sich. Viele seien ungelernte Arbeiter, die Bruttolöhne bewegen sich in flachen Gewässern. Tariflöhne gibt es nicht und selbst Arbeitsverträge werden frei verhandelt. Sagt Gewerkschaftssekretär Peter Baumann. Es scheint kein gutes Klima bei einem der größten Onlinedruckereien Deutschlands, Flyeralarm, zu geben. Laut Handelsregisterauszügen wurde Flyeralarm im Sommer 2008 in 4 Betriebe geteilt, Ohne die Beschäftigten zu informieren. Grund sei möglicherweise eine Umstrukturierung von Flyeralarm ohne Einflussnahme eines Betriebsrats, mein Gewerkschaftssekretär Peter Baumann. Wobei man darauf hinweißen muss - Ein Betriebsrat ist keine gesetzliche Notwendigkeit. Allerdings ist die Behinderung einer Betriebsratswahl ein Straftatbestand.
Warum will Flyeralarm einen Betriebsrat verhindern? Das weiß ich nicht. Viele Unternehmen haben keinen Betriebsrat und tun das Möglichste für ihre Belegschaft. Ich frage mich aber, ob die Geschichte nicht eine ganz andere ist? Jemand ist bei Flyeralarm unzufrieden und wiegelt andere Mitarbeiter auf. Zu was auch immer. Vielleicht, um einfach den Geschäftsführern zu zeigen wer etwas im Betrieb zu sagen hat? Die Geschäftsführer als "Mobbing-Opfer" der Belegschaft? Kein Einzelfall.
Ich sehe es so: Haben ungelernte Kräfte keine Chance im Berufsleben verdient? Warum kreidet man Flyeralarm an, dass viele Mitarbeiter ungelernt sind? Beide Seiten, die ungelernten Mitarbeiter und die Onlinedruckerei Flyeralarm profitiert davon. Benachteiligt seien die "Fachkräfte" der Region? Gibt es Fachkräfte zum verpacken von Visitenkarten? Ich bezweifele, dass ungelernte Mitarbeiter die millionenteuren Gerätschaften bedienen und die Druckvorbereitung vornehmen. Hätten wir das Thema "ungelernte Arbeitskräfte vom Tisch". Und "Billiglöhne von 1.300 - 1.500 Euro Brutto? Unser Supermarkt, Penny, hat einen Betriebsrat. Aber dadurch verdient die Frau Müller an der Kasse auch nicht mehr, als ein ungelernter "Verpacker" bei Flyeralarm. Und was sind bitte sehr "Billiglöhne" in Zeiten, wo eine Frau mit weniger als 1.000 Euro in der Tasche nach Hause geht?
Sicher, absolut richtige - es ist zuwenig Geld. Ich würde dafür nicht arbeiten wollen, Viele wären hingegen froh, wenigstens einen 1.000 Euro Job zu haben. Aber Fakt ist: Es geht vielen Beschäftigten nicht gut. Das ändert auch ein Betriebsrat nicht, wenn die Firma Konkurs anmelden muss. Solange Flyeralarm Aufträge hat, die Löhne pünktlich zahlt - ist Flyeralarm "besser" als Unternehmen, die nicht einmal Löhne pünktlich zahlen können, Kurzarbeit einführen oder Entlassungen vornehmen müssen.
Und trotzdem finden Leute viele Worte um auf Flyeralarm zu meckern. Sie machen die Preise kaputt. Hm, ist das nicht "Marktwirtschaft"? Das ist sicher nicht gut für die Wirtschaft, aber eine Firma wird immer die billigsten Preise haben. Wenn nicht Flyeralarm, dann vielleicht "mein Druckportal".
Also - ich war bei den Schlagzeilen "Strafanzeige gegen Flyeralarm" erstmal sehr interessiert. Dachte es ging um Betrug. Aber nein, hier geht es nur darum, dass Wenige Leute einen Betriebsrat gründen wollen und die Geschäftsführer davon nichts halten. Warum auch immer. Vielleicht waren die Initiatoren "renitente" Artgenossen. Es gibt in jedem Betrieb einen Platzhirsch, der eine bestimmte Position für sich in Anspruch nimmt. Einige meinen sogar, den Job des Chefs übernehmen zu können. Ob nun gerechtfertigt oder nicht. Aber wenn die Geschäftsleitung solche "Selbstbewussten" Leute in ihrer Kompanie hat, denen es einfach nur um die eigene Position geht, die sogar so ein "Betriebsrat-Skandal" inszenieren würden - hätte ich auch etwas dagegen.
Im Internet meldeten sich auch Mitarbeiter von Flyeralarm, die gut über ihren Job sprachen. Nun kann man wieder sagen: "Ach, die wurden doch von Flyeralarm dafür bezahlt". Man kann aber auch sagen, die Kritiker von Flyeralarm wurden von Mitbewerbern bezahlt. "J.R. Ewing" von Dallas lässt grüßen.
Meine Meinung: Der Vorfall wird ungewohnt einseitig inszeniert. Das ist nur die halbe Wahrheit.